
Wie auf der ursprünglichen South Africa Seite erwähnt, wollte ich dieses Land ja gar nicht mehr besuchen, Eigentlich war für dieses Jahr Uganda geplant, inkl . Ruanda und die Berggorillas, solange es die noch gibt. Da ich aber 2005 Annette überrreden konnte, zusammen mit mir Golf zu lernen, sollte das auch Bestandteil des nächsten Urlaubs werden. Da Südafrika ein Golfparadies ist und Annette unbedingt auf "meinen Spuren wandeln" wollte, haben wir uns dann zu diesem Urlaub entschlossen. Zum Glück!!
Anreise von München über Madrid mit Iberia nach Joburg, dort Mietwagen übernommen und nach Pretoria gefahren. Dort wohnt mein Freund Glen aus meiner Stellenbosch-Zeit, inzwischen verheiratet mit Christa und dreifacher Vater. War super, ihn nach all den Jahren wiederzusehen, unsere jeweils ersten Worte waren: "you haven't changed at all!". Wir haben uns sauwohl gefühlt dort, stundenlang erzählt beim Grillen und uns ein oder zwei Bierchen gegönnt. Wunderbar gemütlich.
Am nächsten Morgen mussten wir schon weiter, wir hatten eine Woche Krüger Park gebucht. Nachdem ich diversen Freunden von Lower Sabie vorgeschwärmt hatte (obwohl ich selbst noch nie da gewesen war), sollte der erste Teil des Urlaubs der Part mit Wildlife werden. Die Fahrt (ca. 600km) war stressfrei, trotz leichter Nachwirkungen des Bierkonsums. Annette hat die ersten Tage permanent die Autotüren verrammelt und sich bei jeder Ampel nervös umgesehen. Die vielen Berichte über die hohe Kriminalitätsrate, besonders in Joburg, haben sie doch etwas nervös gemacht.
Wir hatten ein "Luxury Tent" gebucht in Lower Sabie, das ist ein fest installiertes, grosses Zelt mit Veranda zum Fluss, Kochecke, Badezimmer mit Dusche. Der Kick ist, dass man die ersten Nächte kaum ein Auge zukriegt bei all den spannenden Geräuschen mitten im Busch durch die dünne Zeltwand. Das Camp ist super, hervorragender Service (Bar, Restaurants, Shops, Tankstelle etc.) und tolle Lage direkt am Fluss. Abends sitzt man auf der Veranda am Zelt oder am Restaurant und kann die Hippos beobachten, die ganz nah an die Brüstung kommen.
Ich hatte im Vorfeld gehört, dass es im Krüger Park einen Golfplatz gibt. Das sollte die ultimative Golfrunde werden, mitten im Park und keine Zäune (!). Als wir dort ankamen (Nähe Skukuza Camp) wurde Annette plötzlich ganz still. Wir wurden ja auch auf dem Parkplatz schon von einem Paar Warzenschweine begrüsst. Der Manager sagte, dass wir sofort spielen könnten, wenn wir wollen und keine Abschlagzeiten im voraus buchen müssten. DAS WAR DER PLAN! Annette ging davon aus, dass wir uns die Anlage nur mal ansehen und wieder zurückfahren. Es hat zwar ca. eine Stunde gedauert, bis wir Annette überreden konnten, aber das Argument des Managers, wir könnten den grünen Cart nehmen ("it's the fastest one I've got!") hat sie dann doch schmunzeln lassen und sie sprach dann auch wieder. Wahrscheinlich war Glen schuld, der hatte uns erzählt, dass er dort einmal ganz früh morgens als erster gespielt hat und direkt vor ihm frische Löwenspuren im Sandbunker waren. Golfen im Krüger Park war ein tolles Erlebnis, auch wenn wir nicht so erfolgreich gespielt haben.
Wir waren jeden Tag mit dem Mietwagen auf game drives, manchmal schon um 5 Uhr morgens. Die Ausbeute war o.k., da der Busch nach der Regenzeit ziemlich dicht war und es überall Wasser gab, hielten sich die Sichtungen aber in Grenzen. Bis wir einen vom Camp organisierten night-drive mitmachten: das war der Höhepunkt! Die erste Stunde nichts gesehen, aber dann die Big Five alle nacheinander!! Und nach all den Jahren endlich auch mein Lieblingstier erstmalig gesehen: der Leopard! Es kann sein, dass ich da etwas feuchte Augen bekommen habe. Und Rhinos, Büffel, Elis, ca. 10 Löwen (bei der Paarung, sowie eine Löwin mit einem Wurf ganz junger!).
Nach einer Woche dann zurück zum Flughafen, Auto abgegeben und nach Kapstadt geflogen. Dort wieder Mietwagen übernomen und nach Stellenbosch, in meine alte Heimat. Über Bekannte hatten wir ein sehr schönes Apartment buchen können. Ein paar Tage später kam dann auch Glen mit Familie nach und wir hatten mehr Zeit, über die alten Tage zu quatschen. Die letzte Woche waren wir dann noch in Gordons Bay (Nähe Somerset West), an diesen gemütlichen, kleinen Ort hatte ich so gute Erinnerungen. Wir hatten ein traumhaftes Apartment, direkt über dem Yachthafen und mit Blick gen Westen über die ganze False Bay.
Wir haben dann noch ein paar Runden Golf gespielt und ich konnte Annette vieles zeigen, Kapstadt, V&A Waterfront, Chapman's Peak Drive, Cape Point, Winelands etc.
Irgendwann hatten wir uns entschieden, nicht mehr so viel zu hetzen, um alles sehen zu können. Wir wollen auf jeden Fall nochmal hin und können dann in Ruhe "den Rest" abklappern. Und so hatten wir auch ein paar Tage zum Faulenzen.
Und das ist doch 'ne prima Überleitung zu meinem/unseren Resümee:
Wie mehrfach erwähnt, bin ich ja damals aus Südafrika weg, weil mich so einiges gestört hatte. Es war kaum zu glauben, wie sich dieses Land verändert hat! Wir waren völlig begeistert, unglaublich freundliche, selbstbewusste und kompetente "previously disadvantaged persons" (heisst dort so offiziell, also die "non-whites"), diverse hardcore-Buren die uns mit Tränen in den Augen erzählten, wie stolz sie auf ihr Land sind (insbesondere auf Nelson Mandela) und darauf, wie der Wandel stattfindet, bzw. schon stattgefunden hat. Das waren genau die Typen, die vor 15 Jahren ihre Knarren durchgeladen haben, um nach den Wahlen den "ersten Kaffer wegzublasen, der einen Fuss auf mein Grundstück setzt" (echtes Zitat).
Die erste schwarze Regierung unter Präsident Mandela hatte ja vorgegeben, dass es nur dann ein gemeinsames, erfolgreiches Südafrika für alle Bewohner geben kann, wenn man sich die Hand reicht und gemeinsam nach vorn schaut (reconciliation), statt Rache zu üben für all die Gräueltaten der Apartheidregierung und von Teilen der Bevölkerung. Und das wird tatsächlich genau so von der Mehrheit in Südafrika so gelebt!
An der Waterfront in Kapstadt steht eine Büste von Mandela mit dem Zitat:
"There shall never, never and never again be a situation in this beautiful country, where one is opressed by another!"
Wir werden also auf jeden Fall wieder hinfahren. Zur Kriminalität möchte ich noch sagen, dass uns natürlich bewusst ist, dass es in bestimmten Gebieten gefährlich sein kann. Aber das war es in Harare, Dar es Salaam, Lusaka etc. auch. Zum Beispiel würde ich nicht unbedingt zu Fuss durch Joburg laufen wollen, oder nachts durch dunkle Ecken in Kapstadt. Also Augen auf, vorher überlegen, wann man wo unterwegs sein will/muss, dann passt das schon.
Ach ja, ohne Drama mit Fluggesellschaften geht?s ja nicht: beim Rückflug von Kapstadt nach Joburg mit Kulula Air (neue nationale Airline, völlig witzig und locker sowie günstig!) hatten wir Verspätung, da es irgendwo im Land eine Bombendrohung gab (also nicht der Fehler von Kulula). Zum Glück hatten wir ein paar Stunden Puffer eingebaut und kamen noch rechtzeitig in Joburg an.
Dachten wir. Es ist ziemlich weit von Domestic Arrivals bis zu International Departures, wir also mit unserem Riesengepäck inkl. 2 Golftaschen zum Abflug gehetzt und kamen um 21h05 dort an. Check-in war bis 21h00, normalerweise also im grünen Bereich. Der nette junge Mann von Iberia (Carlos: man trifft sich immer zweimal..., und ich weiss, wo Dein Office ist!) checkt noch einen Passagier vor uns in der Schlange ein und verkündet uns dann grinsend: "flight is closed". Nach halbstündiger Diskussion, inkl. philosophischer Ansätze seinerseits über die allgemeine Relevanz von Pünktlichkeit im Leben, war das Thema dann durch, sprich der Flieger weg.
Also Hotel suchen, Transport, und am nächsten Morgen die Finger wundtelefoniert, um den neuen Flug zu confirmen, denn der eigentlich gebuchte (und bestätigte) war ja weg. Es ist nicht empfehlenswert, irgendwie mit Iberia telefonisch Kontakt aufnehmen zu wollen: 2 Stunden Anrufe bei Joburg Airport Office, Joburg Town Office, Frankfurter Büro... keine Antwort. Wir also wieder zum Flughafen, Annette in einem Bistro geparkt mit unserem Riesengepäck, und auf die Suche gemacht nach irgendjemandem, der uns weiterhelfen kann. Das war gegen 10h00 Silvester Morgen. Um 18h30 hatte ich unsere Tickets...
Hinzu kam noch, dass die Anschlussflüge Sonntags andere Zeiten haben. Also durften wir auch noch 8 Stunden am Flughafen Madrid warten. Das war am 1. Januar 2006, ab diesem Tag galt in Spanien das neue Antirauchergesetz...